Erdgas-Preis: Tiefstwert seit 2010 erreicht

veröffentlicht am 13. August 2016 um 20:09 von Redaktion

Der durchschnittliche Preis für Erdgas ist im Juli auf den niedrigsten Stand seit 2010 gesunken. Der Jahresverbrauch für einen Vier-Personen-Haushalt lag preislich im vergangenen Monat bei rund 1236 EUR. Von alleine werden die niedrigeren Kosten allerdings meist nicht an die Verbraucher weitergegeben. Hierfür muss man aktiv den Anbieter wechseln.

Viele Ökonomen haben für die zweite Jahreshälfte 2016 einen Anstieg der Energiepreise vorausgesagt, was die Lebenshaltungskosten der Bevölkerung in Deutschland erneut verteuern würde. Diese Prognose scheint aber bis jetzt nicht einzutreten, wie die Vergleichsportale Verivox und Check24 einstimmig berichten.

Niedrigster Stand seit sechs Jahren

Nach deren Erkenntnissen hätte der Erdgaspreis derzeit den niedrigsten Stand seit sechs Jahren erreicht, was den niedrigsten Wert seit mindestens Juli 2010 darstellt. Damals hatte das Portal mit den Aufzeichnungen der Preise begonnen.

So liegt etwa der der Preis für 20.000 Kilowattstunden, was etwa dem Verbrauch einer vierköpfigen Familie entspricht, derzeit bei etwa bei 1236 EUR. Im Juni 2010 hatte Check24 dafür durchschnittliche Kosten von 1241 EUR jährlich vermerkt.

Auch der Anbieter Verivox, bei welchem Verbraucher ebenfalls Energie- und Gaspreise vergleichen können, kommt auf ähnliche Ergebnisse. Auch in den Vergleichstabellen dieses Portals ist der Preis für Erdgas so niedrig verzeichnet wie seit sechs Jahren nicht mehr.

erdgas_foerderung

Anfang August hat der Gaspreis sogar nochmals nachgegeben, so dass das Preisniveau jetzt ein Langzeittief erreicht hat. Allerdings ist er noch so tief gefallen, dass er auf den Stand der Marktliberalisierung gesunken wäre: dieses lag im Juli 2005 bei circa 1065 EUR.

Das liegt an der kontinuierlichen Preiserhöhung der Gasanbieter, die eine erhebliche Preissteigerung bewirkte. Begründet wurde dies damals mit dem stetig steigenden Ölpreis. Inzwischen gäbe es wieder mehr Wettbewerb am Markt und zudem viele alternative Gasanbieter, die für die jetzige Preisentwicklung verantwortlich seien, so Verivox.

Nicht alle Gaskunden profitieren

Aber Achtung: Das Preisniveau ist nicht bei jedem Anbieter gleich, denn der genannte Preis von 1236 EUR ist ein Durchschnittspreis. So kommen nicht alle Gaskunden in den Genuss niedriger Preise, sondern zahlen oft erheblich mehr.

Die Berechnung des Preisniveaus seitens Verivox bzw. Check24 bezieht nämlich sowohl die Angebote der Grundversorger sprich Stadtwerke oder Energieversorger vor Ort, als auch alternative, überregionale Lieferanten mit günstigeren Preisen mit ein. Und das in unterschiedlichen Zusammensetzungen und Wertungen.

gasherd

So kommen beispielsweise bei Check24 die Preise aller Grundversorgungstarife im jeweiligen Netzgebiet zum Tragen, dazu den jeweils günstigsten Tarif des Grundversorgers und zehn günstige Alternativen pro Netzgebiet.

Alternativanbieter deutlich günstiger

Wenn man genauer schaut, sieht man, dass die Grundversorger seit Jahren auf einem ähnlich hohem Niveau verharren, während alternative Anbieter fast kontinuierlich ihre Preise gesenkt haben.

So liegt der Preis beim günstigsten Anbieter bei rund 895 EUR für 20.000 Kilowattstunden, was ca. 20 Prozent weniger als im Jahre 2010 entspricht. Der durchschnittliche Preis der Grundversorger hat sich im gleichen Zeitraum um zehn Prozent gesteigert und liegt nun bei circa 1463 EUR.

Unser Tipp
Sind Sie betroffen und suchen einen günstigeren Gasversorger? Vergleichen Sie hier und jetzt die aktuellen Tarife und finden Sie mit unserem aktuellen Gaspreisrechner heraus, wie hoch Ihr Einsparpotential liegen könnte.

So bezahlen Kunden, die in der Grundversorgung verharren und den Anbieter nicht wechseln möchten, rund 63 Prozent mehr wie Verbraucher, die von den Angeboten günstiger Anbieter profitieren.

Zum Sparen müsste wenigstens der Tarif beim aktuellen Anbieter gewechselt, oder aber gleich komplett bei einem günstigeren Gasanbieter ein Vertrag abgeschlossen werden. Das machen in Deutschland bisher noch recht wenig Leute.

Beim Heizöl spart es sich einfacher

Anders bei Nutzern von Heizöl, denn hier ist es gang und gäbe bei jeder Bestellung die Preise unterschiedlichster Lieferanten abzufragen und so den aktuell günstigsten Preis zu bekommen. Die Heizölpreise schwanken dabei noch deutlicher als es beim Erdgas der Fall ist.

So lag der durchschnittliche Preis für einen Liter Heizöl im Juli rund sechs Prozent unter dem des Vormonats. Damit kosteten 3.000 Liter Heizöl im Juni rund 1523 EUR im Durchschnitt, während es im Juli 2016 nur noch 1434 EUR waren. Das war die erste Preissenkung in diesem Jahr.

Normalerweise ist ja der Gaspreis seit geraumer Zeit nicht mehr an den für Erdöl gebunden. Trotzdem stellte kürzlich eine Untersuchung fest (Dr. Steffen Bukold im Auftrag der Bundestagsfraktion Bündnis 90/ Die Grünen), dass im Fall von Gas die Energielieferanten ihre Marge für eine Zeit lang mit negativen Folgen für den Verbraucher ausgeweitet hätten. Die Branche widerspricht dieser Darstellung allerdings.

Doch diese Tatsache zeigt sich auch in den Nebenkosten von Mietern, wie der Deutsche Mieterbund bilanziert. Demnach hätten Haushalte mit Ölheizung rund 15 bis 20 Prozent weniger als im Vorjahr gezahlt, aber Haushalte mit Gasheizung meist sogar mehr als im Jahr zuvor.

Verbraucher müssen sich rühren

Wer stillhält, zahlt mehr. So einfach ist es und wer sparen möchte, kann bei Erdgas in diesem Jahr auf jeden Fall von der aktuellen Tendenz profitieren. Bereits im ersten Halbjahr sind die Kosten für Gas um 2,5 bis 3 Prozent gesunken.

Insgesamt wird für 2016 ein größerer Preisrückgang als in den Jahren zuvor erwartet, da die Anbieter nachgezogen haben, als der Preis für Heizöl stark nachgelassen hatte. So hätten laut Verivox mehr als die Hälfte der Grundversorger ihre Preise gesenkt, wobei immerhin 28 Grundversorger ihre Preise im gleichen Zeitraum abermals erhöht hätten.

Hieraus kann man schlussfolgern: Man kann auch ohne Wechsel bei den Grundversorgern sparen. Allerdings nicht flächendeckend und oft ist es eher Glücksache. Wer sein Glück selbst in die Hand nehmen möchte, hat doch deutlich mehr Sparpotenzial.

Wer sich informiert und die aktuellen Gaspreise vergleicht, findet schnell heraus, ob er deutlich zu viel bezahlt oder nicht. Der Wechsel des Gasanbieters ist heutzutage jedenfalls kein Problem mehr. Im Gegenteil, er geht schnell und einfach – ähnlich dem Einholen von Angeboten für die nächste Heizöllieferung.